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Text von Christine Humpl

von 2005, erschienen im Katalog "hotspots", anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum Essl, 2005/2006 ©Christine Humpl, 2005

Die in Berlin lebende Malerin Ina Bierstedt baut aus versatzstückartigen, in den Proportionen
verzerrten Motiven, Landschaften aus Acryl und Öl.
Wie in einer Collage arbeitet sie bestimmte Details im Bild malerisch heraus, beispielsweise sind die in
Weiß unterlegten Figuren in Zwei Jäger 05 (2005) eher schablonenhaft (und an eine fotografische
Vergrößerung erinnernd), als perspektivisch richtig ins Bild integriert. Landschaft und Natur
dominieren in den Gemälden; der Ort und das, was an ihm passiert, sind für den Betrachter mysteriös.
Einer der Jäger blickt mit dem Fernglas in die Weite, ein anderer beugt sich mit ausgestreckter Hand
über ein Gewässer.
In Stein (2005) dominiert ein riesiger Steinbrocken den vorderen Bildraum - auch hier ist die
Einbettung in die Landschaft irritierend, beinahe utopisch.
In einem weiteren Acryl-Öl-Gemälde, Ambulanz (2004), steigert sich die Spannung noch, zugleich
wird die Situation durch diese Dramatik noch unklarer.....Möglicherweise wird ein Unfall gezeigt, in den
mehrere Autos verwickelt sind? Oder eine Naturkatastrophe, die auch vor unserer künstlich
gestalteten Umwelt nicht Halt macht? Und warum ist der Bus im linken Bildteil verlassen, wer waren
die Insassen, wo sind sie?
Bierstedt schafft es mit ihrer Malerei, selbst die Luft zu materialisieren, ähnlich jener Empfindung, die
wir haben, wenn die Luft nach einem sommerlichen Hitzegewitter sich spürbar verstofflicht.
Die vielen Übermalungen, lasurartigen Malschichten deuten darauf hin, dass ein langer Malprozess zu
dieses Bildern geführt hat, Bildern die „undeutliche“ Geschichten von Natur, ihren dunklen Seiten und
unserer Gesellschaft erzählen.
Ina Bierstedts Malerei trägt eine unverkennbare Handschrift, eine nie gesehene, nie empfundene.
Die Künstlerin beherrscht das Medium perfekt, sie schafft es, Bildthematiken rein durch Malerei
entstehen zu lassen und selbst Nichtstoffliches darzustellen.

Christine Humpl

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